Was ist die 4%-Regel?
Ein bekanntes Finanzkonzept für die Rentenplanung: 4% Entnahme pro Jahr – mit Chancen, Grenzen und den wichtigsten Praxisregeln.
Viele Menschen sparen jahrzehntelang – und stehen dann vor der entscheidenden Frage: Wie viel kann ich im Ruhestand jährlich entnehmen, ohne dass mein Vermögen zu früh aufgebraucht ist? Genau hier setzt die 4% Regel an. Sie liefert eine einfache Faustformel für die Entnahmeplanung, wird aber häufig missverstanden – vor allem, wenn Inflation, Steuern und ungünstige Börsenphasen ins Spiel kommen.

[fs-toc-h2]Was bedeutet die 4%-Regel genau?
Die 4% Regel (auch „4%-Regel“ oder „4% rule“) ist eine Faustformel der Ruhestandsplanung:
- Im ersten Jahr der Rente entnehmen Sie 4% Ihres Startvermögens.
- In den Folgejahren wird der Entnahmebetrag typischerweise um Inflation angepasst, damit die Kaufkraft erhalten bleibt.
Beispiel:
1.000.000 € Vermögen → 4% = 40.000 € Entnahme im ersten Jahr.
Im zweiten Jahr wird die Entnahme (z. B. bei 2% Inflation) entsprechend erhöht.
Wichtig: Die Regel ist als Richtwert gedacht – keine Garantie.
[fs-toc-h2]Woher kommt die 4%-Regel? (Trinity-Studie & Bengen)
Der Ursprung der Idee liegt in der Forschung zu „Safe Withdrawal Rates“ (nachhaltigen Entnahmeraten):
- William P. Bengen (1994) untersuchte historische Daten und leitete daraus einen „sicheren“ Entnahmerahmen um 4% für einen 30-Jahres-Horizont ab.
- Später wurde das Konzept stark popularisiert durch die sogenannte Trinity-Studie (Cooley, Hubbard, Walz), veröffentlicht im AAII Journal (1998), die verschiedene Portfolio-Mixe und Entnahmeraten über historische Zeiträume testete.
Kernidee beider Ansätze: Bei einem diversifizierten Aktien-/Anleiheportfolio und einem typischen Ruhestandshorizont (oft 30 Jahre) kann eine anfängliche Entnahme um 4% historisch in vielen Szenarien funktionieren – aber eben nicht in allen.
[fs-toc-h2]Praktische Anwendung in der Altersvorsorge
Die 4% Regel kann ein guter Startpunkt sein, um grob zu planen:
- Ziel-Jahresbudget bestimmen (z. B. 36.000 € netto/Jahr).
- Grobe Vermögensgröße ableiten: Budget ÷ 0,04.
- 36.000 € ÷ 0,04 = 900.000 € (Faustformel, vor Steuern/Abgaben).
- Weitere Einkommensquellen ergänzen (gesetzliche Rente, Betriebsrente, Mieteinnahmen etc.).
- Puffer einbauen (für unerwartete Ausgaben, Marktphasen, Inflation).
So wird aus der 4% Regel keine starre Vorgabe, sondern eine Planungslogik, die mindestens einmal im Jahr überprüft werden sollte.
[fs-toc-h2]Chancen der 4%-Regel
- Einfach verständlich: Schnell ein Gefühl für „Vermögensbedarf vs. Entnahme“.
- Historisch fundierter Ausgangspunkt: Die Regel basiert auf Studien zu nachhaltigen Entnahmen.
- Planungsstruktur: Hilft, Sparziele und Rentenlücke greifbar zu machen.
[fs-toc-h2]Grenzen und Risiken: Inflation, Steuern, Marktphasen
1) Inflation: Kaufkraft frisst Entnahmen auf
Die klassische 4% Regel sieht inflationsangepasste Entnahmen vor. Das schützt die Kaufkraft, erhöht aber den Druck auf das Portfolio, wenn Renditen schwach sind.
2) Steuern: Brutto ist nicht gleich Netto
In der Praxis zählt, was nach Steuern verfügbar ist. Die Regel rechnet „portfolio-basiert“, nicht „netto-basiert“. Je nach Depot-/Kontostruktur und Land können Steuern die reale Entnahmerate spürbar verändern.
3) Sequence-of-Returns-Risk: Reihenfolge der Renditen ist entscheidend
Ein frühes Börsentief in den ersten Rentenjahren kann die Nachhaltigkeit stark verschlechtern, weil Entnahmen dann aus einem gefallenen Portfolio erfolgen (klassisches „Sequence“-Problem). Viele aktuelle Analysen betonen deshalb: Die 4% Regel funktioniert besser, wenn Entnahmen flexibel an Marktphasen angepasst werden.
4) Zeithorizont: 30 Jahre sind nicht immer genug
Die Regel wird oft mit einem 30-Jahres-Zeitraum verknüpft. Wer deutlich früher in Rente geht oder sehr lange planen muss, benötigt häufig einen konservativeren Ansatz.
[fs-toc-h2]FAQ zur 4% Regel
Ist die 4% Regel „sicher“?
Sie ist eine Faustregel aus historischen Simulationen – keine Garantie. Marktrenditen, Inflation und individuelle Faktoren können stark abweichen.
Gilt die 4%-Regel auch bei hoher Inflation?
Hohe Inflation kann die Entnahmen schneller steigen lassen und damit die Tragfähigkeit reduzieren. Deshalb wird häufig mit Puffern, flexiblen Entnahmen oder konservativeren Startwerten gearbeitet. Wir empfehlen für die zu entnehmenden Beträge der kommenden 3-5 Jahre ein konservatives Investmentdepot einzurichten.
Welche Rolle spielen Steuern bei der 4% Regel?
Eine große: Entscheidend ist die Netto-Entnahme. Steuerplanung (z. B. Reihenfolge von Entnahmen aus unterschiedlichen Konten) kann die Nachhaltigkeit verbessern.
Rechtlicher Hinweis (Keine Anlageempfehlung)
Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung, Anlagevermittlung oder Anlageempfehlung dar. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden. Ob und wie eine Entnahmestrategie wie die 4% Regel zu Ihrer Situation passt, sollte individuell (u. a. unter Berücksichtigung von Inflation, Steuern, Kosten, Anlagehorizont und Risikotragfähigkeit) geprüft werden. Sprechen Sie uns gerne dazu an.
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