Vermögen über Generationen sichern: Was die neue Erbwelle für Familien bedeutet
Deutschland erlebt den größten Vermögenstransfer seiner Geschichte. Wer jetzt nicht plant, riskiert mehr als nur Steuern – sondern den Zusammenhalt des Familienkapitals über Generationen.
Jährlich werden in Deutschland rund 400 Milliarden Euro vererbt oder verschenkt – Tendenz steigend. Doch fast die Hälfte aller vermögenden Familien fühlt sich auf diesen Übergang nicht vorbereitet. Wie strukturierte Nachfolgeplanung Vermögen schützt, Konflikte verhindert und gleichzeitig den Erwartungen einer neuen Generation von Erben gerecht wird.

Jährlich wechseln in Deutschland rund 400 Milliarden Euro den Besitzer – durch Erbschaften und Schenkungen, mit steigender Tendenz. Vermögen über Generationen zu sichern ist damit keine Frage mehr, die sich nur Unternehmerfamilien stellen müssen. Sie betrifft zunehmend jeden, der in seinem Leben Vermögen aufgebaut hat – und es nicht dem Zufall überlassen will, was daraus wird.
Das Problem: Laut dem EY Germany Wealth Research Report 2025 fühlen sich 38,3 Prozent der vermögenden deutschen Kunden auf die Vermögensübergabe nur „etwas vorbereitet" – weitere 6,8 Prozent gar nicht. Zusammen ist das fast die Hälfte aller Befragten.
Wie groß ist die Erbwelle wirklich?
Die Zahlen sind beeindruckend. Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) hat berechnet, dass allein im Zeitraum von 2015 bis 2024 rund 3,1 Billionen Euro in Deutschland vererbt oder verschenkt wurden – so viel wie nie zuvor in einem vergleichbaren Zeitraum. Das private Geldvermögen deutscher Haushalte hat 2025 erstmals die Marke von 10 Billionen Euro überschritten, wie eine Auswertung der DZ Bank zeigt.
Davon fließen knapp zwei Drittel aller Erbfälle generationenübergreifend – also nicht zwischen Ehepartnern, sondern von Eltern zu Kindern oder Enkeln. Jährlich werden schätzungsweise 300 bis 400 Milliarden Euro generationenübergreifend übertragen, mit weiter steigender Tendenz.
Global betrachtet ist das Bild noch dramatischer: Laut dem World Wealth Report 2025 von Capgemini werden bis 2048 schätzungsweise 83,5 Billionen US-Dollar weltweit an die nächste Generation vererbt.
Was das für Familien bedeutet
Diese Zahlen klingen abstrakt – sind es aber nicht. Hinter jedem Erbfall stecken reale Fragen: Wer erbt was? Wann und wie? Wie wird die Steuerbelastung minimiert? Wie wird sichergestellt, dass das Vermögen nicht durch Erbstreitigkeiten, schlechte Planung, falsche Strukturen und hohe Steuern an Wert verliert?
Laut einer Studie von Julius Bär und PwC Schweiz fürchtet jede zweite vermögende Familie Erbstreitigkeiten. Das ist kein Randproblem – es ist ein strukturelles Risiko, das sich mit rechtzeitiger Planung erheblich reduzieren lässt.
Warum beim Vermögensübergang so viel verloren geht
Ein Vermögensübergang ohne Vorbereitung ist ein teures Ereignis – in mehrfacher Hinsicht.
Steuerliche Verluste durch fehlende Struktur
Erbschaften und Schenkungen unterliegen in Deutschland der Erbschaftsteuer. Die Freibeträge sind zwar nicht gering (Kinder erben bis zu 400.000 Euro steuerfrei von jedem Elternteil), aber bei größeren Vermögen oder komplexen Strukturen können ohne Planung erhebliche Steuerlasten entstehen.
Dabei bietet das deutsche Recht eine Reihe von Gestaltungsmöglichkeiten: Schenkungen zu Lebzeiten, die regelmäßige Ausnutzung der Freibeträge alle zehn Jahre, Nießbrauchsmodelle oder die gezielte Übertragung von Unternehmensvermögen. Diese Instrumente entfalten ihre Wirkung aber nur, wenn sie rechtzeitig – also Jahre vor dem Erbfall – eingesetzt werden.
Wichtiger Hinweis: Steuer- und erbschaftliche Gestaltung erfordern immer individuelle rechtliche und steuerliche Beratung. Dieser Artikel gibt nur einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Fachberatung.
Vermögensverluste durch Erbengemeinschaften
Wenn mehrere Erben unvorbereitet ein Vermögen übernehmen, entsteht automatisch eine Erbengemeinschaft – und damit Handlungsbedarf. Immobilien können nicht geteilt werden, Konten sind häufig gesperrt, Unternehmen brauchen klare Führung. Ohne Testament oder klare Vereinbarungen entstehen Konflikte, die nicht selten zu Notverkäufen oder jahrelangen Gerichtsverfahren führen.
Wertverluste durch fehlende Anpassung
Vererbtes Vermögen besteht häufig aus Strukturen, die für den Erblasser passten – aber nicht zwingend für die nächste Generation. Kapital, das jahrelang auf dem Tagesgeldkonto lag, muss neu investiert werden. Immobilien müssen neu bewertet werden. Ein Portfolio, das auf Kapitalerhalt ausgerichtet war, muss für eine 35-jährige Erbin möglicherweise vollständig umstrukturiert werden.
Die neue Generation von Erben: Andere Erwartungen, andere Ansätze
Der Generationenwechsel beim Vermögen ist nicht nur ein finanzielles Ereignis – er ist auch ein kultureller Bruch. Millennials und Generation Z, die zunehmend in die Rolle der Erben wachsen, haben andere Erwartungen an Vermögen, Beratung und Anlage als ihre Eltern und Großeltern.
Was die Forschung zeigt
Laut dem CFA Institute bevorzugen Millennials hybride Beratungsmodelle: Sie kombinieren klassische persönliche Beratung mit digitalen Tools, erwarten transparente Gebührenstrukturen und wollen das „Warum" hinter Anlageentscheidungen verstehen – nicht nur die Empfehlung.
Eine Studie der NextGen 2026 zeigt: Vermögende junge Anleger erwarten sofortige digitale Kommunikation, klare Abläufe und Echtzeit-Zugang zu ihrem Portfolio. 70 Prozent der jungen Kunden stehen mindestens monatlich mit ihrem Berater in Kontakt – ein deutlich höherer Interaktionsgrad als bei älteren Generationen.
Besonders relevant für die Anlagestrategie: Laut Morgan Stanley sind 99 Prozent der Millennials an Investments mit Nachhaltigkeitsbezug interessiert. Und laut EY planen 32 Prozent der vermögenden Kunden, mehr in alternative Investments zu investieren – bei sehr vermögenden Kunden (VHNW) sind es sogar 44 Prozent.
Was das für die Vermögensübergabe bedeutet
Der World Wealth Report 2025 von Capgemini macht auf ein zentrales Risiko aufmerksam: 81 Prozent der Next-Gen-Erben planen, innerhalb von ein bis zwei Jahren nach dem Erbfall den bisherigen Vermögensberater zu wechseln. Der häufigste Grund: fehlende digitale Services und mangelnde alternative Investmentmöglichkeiten.
Das bedeutet: Eine erfolgreiche Vermögensübergabe ist nicht allein eine rechtliche und steuerliche Aufgabe. Sie ist auch eine Beratungsaufgabe – und setzt voraus, dass die nächste Generation frühzeitig in die Planung einbezogen wird.
Die unabhängige Finanzberatung der Beratungslounge begleitet Familien dabei, generationenübergreifende Lösungen zu entwickeln, die sowohl die Interessen der übergebenden als auch der übernehmenden Generation berücksichtigen.
Strukturierte Nachfolgeplanung: Was wirklich zählt
Strukturierte Nachfolgeplanung ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein Prozess. Sie beginnt idealerweise Jahre vor dem Erbfall – und umfasst weit mehr als die Erstellung eines Testaments.
Schritt 1: Vermögensanalyse und Zieldefinition
Bevor Strukturen entwickelt werden, braucht es Klarheit über das Ist: Welches Vermögen existiert – Immobilien, Wertpapiere, Unternehmensbeteiligungen, liquide Mittel? Welche Ziele verfolgt die Familie? Soll das Vermögen zusammengehalten werden? Sollen einzelne Kinder oder Enkel besonders bedacht werden? Welche Versorgung benötigt der Übergeber selbst?
Schritt 2: Steuerliche und rechtliche Gestaltung
Auf Basis der Analyse können geeignete Instrumente ausgewählt werden: Schenkungen zu Lebzeiten, Nießbrauchsregelungen, Familiengesellschaften, Testamentgestaltung oder Generationenverträge. Dieser Schritt erfordert immer die Zusammenarbeit mit Steuerberatern und Rechtsanwälten – eine unabhängige Finanzberatung koordiniert diesen Prozess und stellt sicher, dass die einzelnen Bausteine zusammenpassen.
Schritt 3: Anlagestrategie für die Übernahmegeneration
Oft unterschätzt: Vererbtes Vermögen muss neu ausgerichtet werden. Was für den 70-jährigen Erblasser sinnvoll war, passt möglicherweise nicht zur 40-jährigen Erbin mit einem langen Anlagehorizont. Eine vollständige Neuausrichtung des Portfolios – inklusive der Frage, ob und wie alternative Investments wie Private Equity oder Infrastruktur einbezogen werden sollten – ist oft Teil einer gelungenen Vermögensübergabe.
Die Vermögensverwaltung der Beratungslounge unterstützt genau bei diesem Schritt: von der Bestandsaufnahme über die Neustrukturierung bis zur langfristigen Anlagebegleitung.
Schritt 4: Familienkommunikation und Einbeziehung der nächsten Generation
Einer der häufigsten Fehler: Die nächste Generation erfährt vom Thema erst beim Erbfall. Das führt zu Überraschungen, Konflikten und schlechten Entscheidungen unter Druck.
Erfolgreiche Nachfolgeplanung schließt die Erben frühzeitig ein – durch offene Gespräche über Vermögen, Werte und Erwartungen, aber auch durch strukturierte Finanzbildung. Wer weiß, was er erben wird, und versteht, wie das Vermögen aufgebaut wurde, kann fundierter entscheiden.
Familienunternehmen: Besonderes Risiko, besondere Verantwortung
Für Familienunternehmen ist die Nachfolgeplanung noch komplexer – und dringlicher. Laut dem Institut für Mittelstandsforschung (IfM Bonn) standen bis 2026 bis zu 190.000 Familienunternehmen in Deutschland zur Übergabe an.
Hier geht es nicht nur um Vermögen, sondern um Arbeitsplätze, Kundenbeziehungen und unternehmerische Kontinuität. Eine schlecht vorbereitete Unternehmensübergabe kann ein in Generationen aufgebautes Unternehmen innerhalb weniger Jahre in Schwierigkeiten bringen.
Zu den häufigsten Problemen gehören: kein geeigneter Nachfolger in der Familie, unklare Gesellschafterverträge, fehlende Liquidität für die Erbschaftsteuer oder Konflikte zwischen Gesellschaftern. Auch hier gilt: Frühzeitige Planung ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit.
Die unabhängige Vermögensberatung der Beratungslounge begleitet Unternehmerfamilien dabei, Vermögen und Unternehmen so zu strukturieren, dass beide Generationen handlungsfähig bleiben.
Häufige Fragen zur Nachfolgeplanung und Vermögensübergabe
Was ist der „große Vermögenstransfer"?
Der Begriff bezeichnet die historisch beispiellose Welle an Erbschaften und Schenkungen, die in den kommenden Jahrzehnten weltweit – und auch in Deutschland – stattfindet. Ausgelöst wird sie durch die demografische Entwicklung: Die geburtenstarken Jahrgänge der Nachkriegszeit (Babyboomer) übergeben ihr Vermögen an die Generationen X, Y und Z. Allein in Deutschland werden jährlich rund 300 bis 400 Milliarden Euro generationenübergreifend übertragen.
Wie früh sollte man mit der Nachfolgeplanung beginnen?
So früh wie möglich – idealerweise 10 bis 15 Jahre vor dem geplanten Übergabezeitpunkt. Viele steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten, etwa die regelmäßige Nutzung von Schenkungsfreibeträgen, entfalten ihre Wirkung nur über einen längeren Zeitraum. Auch die Einbeziehung der nächsten Generation gelingt besser, wenn ausreichend Zeit für Gespräche und Planung bleibt.
Durch optionale Versicherungslösungen (wir arbeiten hier mit kostengünstigen Nettopolicen) können Vermögen ggf. schon frühzeitig übertragen werden, durch die 99/1 % Regelung in der Versicherungsnehmereigenschaft jedoch kann man die Verfügungsgewalt noch einschränken.
Was passiert, wenn es kein Testament gibt?
Ohne Testament gilt die gesetzliche Erbfolge. Das bedeutet: Ehepartner und Kinder erben nach einem festen gesetzlichen Schema – unabhängig davon, was der Erblasser gewollt hätte. Das kann zu Erbengemeinschaften führen, die schwer handlungsfähig sind, insbesondere bei Immobilien oder Unternehmensbeteiligungen. Ein Testament schafft Klarheit und vermeidet viele Konflikte.
Wie können Schenkungsfreibeträge genutzt werden?
In Deutschland können Kinder alle zehn Jahre Schenkungen bis zu 400.000 Euro pro Elternteil steuerfrei erhalten. Wer früh beginnt, kann durch mehrfache Nutzung dieser Freibeträge erhebliche Vermögenswerte steuerfrei auf die nächste Generation übertragen. Voraussetzung ist frühzeitige Planung und rechtliche Begleitung.
Was erwarten junge Erben von ihrer Finanzberatung?
Laut aktuellen Studien (CFA Institute, EY, Capgemini) erwarten Millennials und Gen Z vor allem drei Dinge: Transparenz bei Kosten und Entscheidungen, digitale Zugänglichkeit zu ihrem Portfolio und individuelle Lösungen statt Standardprodukte. 81 Prozent der Erben planen, nach einem Erbfall den bisherigen Berater zu wechseln – häufig weil dieser ihre Erwartungen nicht erfüllt.
Was ist der Unterschied zwischen Erbschaft und Schenkung?
Eine Erbschaft findet nach dem Tod statt. Eine Schenkung erfolgt zu Lebzeiten – und bietet damit mehr Gestaltungsspielraum. Beide unterliegen grundsätzlich der Erbschaft- bzw. Schenkungsteuer, wobei dieselben Freibeträge gelten. Der entscheidende Vorteil der Schenkung: Die Freibeträge können alle zehn Jahre erneut genutzt werden, was bei langer Vorausplanung zu erheblichen steuerlichen Vorteilen führen kann.
Fazit: Nachfolgeplanung ist Vermögensschutz
Wer Vermögen aufgebaut hat, sollte es auch strukturiert weitergeben. Der große Vermögenstransfer, der gerade in Deutschland stattfindet, bietet keine zweite Chance: Wer zu spät plant, zahlt mehr Steuern, riskiert Konflikte in der Familie und überlässt es dem Zufall, ob das aufgebaute Vermögen die nächste Generation wirklich stärkt.
Strukturierte Nachfolgeplanung ist keine Angelegenheit nur für Hochvermögende – sie ist für jeden relevant, der mehr als ein Eigenheim, ein Wertpapierdepot oder ein kleines Unternehmen hinterlassen möchte. Und sie beginnt mit einem Gespräch.
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Disclaimer: Dieser Artikel wurde von der Beratungslounge zu allgemeinen Informationszwecken erstellt. Er stellt keine individuelle Anlageberatung, Steuerberatung oder Rechtsberatung dar und ersetzt nicht das persönliche Beratungsgespräch mit einem qualifizierten Finanz-, Steuer- oder Rechtsberater. Erbschaft- und schenkungsteuerliche Gestaltungen erfordern stets individuelle rechtliche und steuerliche Prüfung. Historische Daten und Studienergebnisse erlauben keine Rückschlüsse auf individuelle Situationen oder künftige Entwicklungen.
Autor des Bildes: von burdun
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